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Maut & Infrastruktur

Mautpflicht in Deutschland und Österreich: Wer zahlt was und warum?

Zuletzt aktualisiert: Juni 2025Lesezeit: ca. 7 MinutenRedaktion reiseauto

Deutschland und Österreich teilen sich eine lange gemeinsame Grenze – doch beim Thema Straßenmaut könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Während Österreich seit Jahrzehnten auf ein bewährtes Vignettensystem setzt, das Pkw-Fahrer pauschal zur Kasse bittet, hat Deutschland nach mehreren gescheiterten Anläufen bis heute keine allgemeine Pkw-Maut.

Das bedeutet: Wer von München nach Wien fährt, wechselt nicht nur das Land, sondern auch das Regelwerk. In Deutschland gilt die Lkw-Maut auf Bundesautobahnen, für private Pkw fällt dagegen kein Entgelt an. In Österreich hingegen ist die Jahres-, Zwei-Monats- oder Zehntagsvignette für alle Kraftfahrzeuge bis 3,5 Tonnen auf Autobahnen und Schnellstraßen Pflicht.

In diesem Kapitel erklären wir beide Systeme im Detail: Was kostet die österreichische Vignette, wo gilt sie, und welche Sondermautstrecken gibt es? Und warum zahlen Lkw-Fahrer in Deutschland schon lange Maut, Pkw-Fahrer aber nicht? Alle Antworten – klar, aktuell und ohne Kleingedrucktes.

Deutschland

Maut in Deutschland: Was gilt wirklich?

Deutschland betreibt eines der komplexesten Lkw-Mautsysteme Europas – vollständig satellitenbasiert, lückenlos kontrolliert und seit 2024 auch auf CO₂-Emissionen ausgeweitet. Pkw fahren weiterhin mautfrei auf Autobahnen und Bundesstraßen.

Das Toll-Collect-System: Satellitenmaut für Lkw

Seit 2005 erhebt Deutschland über das Betreibermodell Toll Collect GmbH – seit 2018 im Staatseigentum – eine streckenbezogene Maut für schwere Nutzfahrzeuge. Das System gilt bundesweit auf dem gesamten Netz der Bundesautobahnen sowie auf rund 2.300 km mautpflichtiger Bundesstraßen (seit 2018 vollständige Ausweitung).

Die technische Grundlage bildet ein GNSS-basiertes Fahrzeuggerät (On-Board-Unit, OBU), das die Fahrtroute per GPS aufzeichnet, mit dem Mautstreckennetz abgleicht und die anfallenden Gebühren automatisch bucht. Alternativ ist die manuelle Buchung per Internet-Einbuchung oder an Toll-Collect-Terminals möglich – dies empfiehlt sich insbesondere für ausländische Fahrzeuge, die nur selten Deutschland befahren.

Wichtig zu wissen

Ab dem 1. Dezember 2023 wurde die Maut um einen zusätzlichen CO₂-Aufschlag erweitert. Dieser richtet sich nach der CO₂-Emissionsklasse des Fahrzeugs und kann die Gesamtgebühr erheblich erhöhen. Elektrisch betriebene Lkw sind bis Ende 2025 vollständig mautbefreit.

Abrechnungsverfahren im Detail

1GNSS-Einbuchung via OBU

Das Bordgerät im Fahrzeug erfasst automatisch alle mautpflichtigen Abschnitte via Satellit. Die Abrechnung erfolgt monatlich oder per Prepaid. Pflicht für regelmäßige Nutzer mit deutschem oder EU-Kennzeichen.

2Manuelle Internet-Einbuchung

Über toll-collect.de kann die geplante Route vorab eingebucht werden. Geeignet für gelegentliche Fahrten. Die Einbuchung muss vor Fahrtantritt auf dem jeweiligen Streckenabschnitt abgeschlossen sein.

3Terminal-Einbuchung

An rund 40 Maut-Terminals bundesweit – z. B. an Autobahntankstellen und Raststätten – können Fahrten vorab eingebucht werden. Barzahlung und Kartenzahlung sind möglich.

4Kennzeichen-Kontrolle

Stationäre und mobile Kontrollbrücken erfassen automatisch Kennzeichen, Achszahl und Emissionsklasse aller passierenden Lkw. Ein Abgleich mit der Buchungsdatenbank erfolgt in Echtzeit.

Streckennetz: Autobahnen und Bundesstraßen

Mautpflichtig sind alle Bundesautobahnen (BAB) sowie seit Juli 2018 das vollständige Netz der Bundesstraßen – sofern das Fahrzeug die Gewichtsgrenzen überschreitet. Das mautpflichtige Netz umfasst insgesamt rund 52.000 km, wovon etwa 13.000 km auf Bundesautobahnen und ca. 39.000 km auf Bundesstraßen entfallen.

Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen sind nicht mautpflichtig. Tunnel, Brücken und innerstädtische Durchfahrten auf Bundesstraßen können jedoch einbezogen sein, wenn sie offiziell als Bundesstraße geführt werden.

~52.000 km

Mautpflichtiges Netz

BAB + Bundesstraßen

7,5 t zGG

Gewichtsgrenze

ab diesem Gewicht mautpflichtig

Toll Collect

Betreiber

seit 2018 in Staatseigentum

Keine

Pkw-Maut

Autobahn für Pkw frei

Quellenhinweis: Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM), Toll Collect GmbH, Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV). Alle Angaben ohne Gewähr – Änderungen durch Gesetzgebung vorbehalten. Stand: Januar 2025.

ÖsterreichASFINAG-Netz · Streckenmaut · Vignette

Maut in Österreich: Vignette, Streckenmaut & ASFINAG

Österreich betreibt eines der dichtesten Mautnetze Europas. Wer hier mit dem Auto unterwegs ist, muss zwei verschiedene Systeme kennen: die allgemeine Vignettenpflicht und die Streckenmaut auf ausgewählten Tunneln und Gebirgsrouten.

Das ASFINAG-Netz

Die Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (ASFINAG) ist der staatliche Betreiber von rund 2.240 km Autobahnen und Schnellstraßen in Österreich. Sie finanziert Bau, Betrieb und Erhalt ausschließlich durch Mauteinnahmen – ohne Steuergeld.

Das Netz umfasst alle A- und S-Straßen. Auf diesen gilt grundsätzlich Vignettenpflicht – außer auf ausgewiesenen Sondermautabschnitten, wo eine separate Streckenmaut erhoben wird.

Zwei Systeme, eine Pflicht

Vignettenpflicht (allgemein)

Gilt auf dem gesamten ASFINAG-Netz. Zeitbasiert: 10 Tage, 2 Monate oder 1 Jahr.

Streckenmaut (zusätzlich)

Brenner, Tauern, Karawanken, Arlberg u. a. – hier wird unabhängig von der Vignette kassiert.

GO-Maut (LKW > 3,5 t)

Kilometerbasierte digitale Maut für Schwerlastverkehr – kein Vignettensystem.

Vignettenpreise 2025 im Überblick

Die digitale Vignette ist seit 2023 Pflicht. Klebe-Vignetten werden nicht mehr ausgegeben. Preisgültig ab Ausgabedatum ASFINAG.

10-Tages-Vignette

9,90 €

2-Monats-Vignette

29,00 €

Jahresvignette

96,40 €

Motorrad (Jahres)

38,20 €

* Preise ohne Gewähr. Aktuelle Tarife: shop.asfinag.at. Kauf auch über ÖAMTC, Tankstellen und autorisierte Partner möglich.

Streckenmaut: Mautsätze auf wichtigen Transitrouten

Diese Maut fällt zusätzlich zur Vignette an und wird direkt an der Mautstelle oder per digitaler Bezahlung erhoben.

Route / TunnelPKW

Brenner Autobahn (A13)

Meist befahrene Transitroute Österreichs – Italien-Verbindung

11,00 €

Tauernautobahn (A10)

Inkl. Tauern- und Katschbergtunnel

13,50 €

Karawankentunnel (A11/A2)

Grenzübergang; Maut wird beidseitig erhoben

8,00 €

Arlberg Straßentunnel (S16)

Alternative: Arlbergpass (kostenlos, aber zeitaufwändig)

11,50 €

Bosrucktunnel & Gleinalm (A9)

Beide Tunnel zusammen bei Durchfahrt

6,50 €

Richtungsgebundene Maut; Hin- und Rückfahrt werden separat berechnet. Preise können saisonal angepasst werden – vor der Reise prüfen.

Digitale Bezahloptionen

  • →

    ASFINAG-Online-Shop

    Digitale Vignette rund um die Uhr kaufen, Kennzeichen hinterlegen – fertig.

  • →

    ASFINAG-App

    Vignette und Streckenmaut-Vorausbuchung, Routenplanung mit Mautkosten-Kalkulator.

  • →

    Mautstellen vor Ort

    EC-/Kreditkarte, Bargeld und in vielen Tunnelanlagen auch kontaktloses Bezahlen möglich.

  • →

    Tankstellen & ÖAMTC

    Autorisierte Verkaufsstellen in ganz Österreich und an den deutschen Grenzübergängen.

Kennzeichenscanner & Kontrollen

ASFINAG setzt auf automatische Nummernschilderkennung (ANPR). Über das gesamte Netz verteilte Kameras gleichen Kennzeichen in Echtzeit mit der Vignetten-Datenbank ab.

KontrolldichteSehr hoch
ReaktionszeitEchtzeit
Ausländische KennzeichenEbenfalls erfasst
Physische KontrollenZusätzlich möglich

Wichtig: Exaktes Kennzeichen beim Kauf angeben – ein Buchstabendreher macht die Vignette ungültig.

Strafen bei Mautvergehen – und wie du sie vermeidest

Österreich ahndet Mautverstöße konsequent. Unwissenheit schützt nicht vor Strafe.

120 €

Ersatzmaut

Sofort zahlbar bei Feststellung; gilt für fehlende Vignette oder ungültige Streckenmaut.

bis 3.000 €

Verwaltungsstrafe

Wenn Ersatzmaut verweigert wird oder keine Zahlung erfolgt.

0 €

Bei korrektem Kauf

Digitale Vignette vorab kaufen, Kennzeichen prüfen – fertig. Kein Stress, keine Kontrolle.

Tipps zur Vermeidung:

  • Vignette mindestens 1 Tag vor der Fahrt kaufen (Aktivierungspflicht)
  • Kennzeichen 1:1 wie im Fahrzeugschein eingeben
  • Für Mietwagen: Kennzeichen vor Ort prüfen und dann kaufen
  • Bei Fahrzeugwechsel: neue Vignette für das neue Kennzeichen
  • Streckenmaut-Routen vorab auf der ASFINAG-Website prüfen
  • Kaufbeleg digital speichern als Nachweis bei Problemen

Häufige Fragen zum österreichischen Mautsystem

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